Klassen-Richtwerte Datenblatt maßgeblich
N 11–12 kOe · 60–80 °C M 14 kOe · 100 °C H 16–17 kOe · 120 °C SH 19–20 kOe · 150 °C UH 24–25 kOe · 180 °C EH 30 kOe · 200 °C AH 34–35 kOe · 220 °C
NdFeB Grade Guide · ES Metall

NdFeB-Grade N35–N52 und Klassen M bis AH richtig einordnen

HcJ, typische Temperaturklassen, Anwendungen und Recyclinghinweise auf einer Seite – mit der klaren Grenze zwischen Gradcode, Herstellerdatenblatt und chemischer Analyse.

  • Die N-Zahl beschreibt die Klasse des maximalen Energieprodukts.
  • M bis AH kennzeichnen steigende Koerzitivitätsklassen.
  • Der Gradcode allein beweist keinen Dy-, Tb- oder Co-Gehalt.
Klassenvergleich

Von Standard bis höchste Koerzitivität

Die Zahlen sind typische Branchen- und Katalogorientierungen bei Raumtemperatur. Einzelne Grade weichen ab: Bei Arnold liegt N52 beispielsweise bei 11 kOe und 60 °C, AH bei 34 kOe und 220 °C. Ausgeschriebene Suffixnamen wie „Medium“ oder „Super High“ sind verbreitete Handelsauflösungen, aber herstellerübergreifend nicht normeinheitlich.

7 Klassen sichtbar

Typische NdFeB-Klassenwerte und fachlich begrenzte Anwendungs- und Recyclinghinweise
Grad / Suffix HcJ min. Richtwert Typische Temperaturklasse Bedeutung & typische Anwendungen Legierung / Dy & Tb Recycling-Relevanz
N35–N52ohne Suffix ca. 11–12 kOegradabhängig ca. 60–80 °CN52 teils 60 °C

Standard- und Niedrigtemperaturklassen. Typische Beispiele reichen von Spielzeug und Konsumgütern bis zu Audio- und Sensoranwendungen, sofern das konkrete Datenblatt passt.

Konventionelle DOE-Richtreihe: weniger als 0,5 Gew.-% Dy. Das ist keine Chargenaussage; „ohne Suffix“ bedeutet nicht „reines Nd/Pr“.

Grundsätzlich relevant

Nd/Pr bleibt der zentrale Wertträger. Masse, Sortenreinheit, Beschichtung und Analyse bestimmen die weitere Einordnung.

MMedium ca. 14 kOe ca. 100 °C

Erhöhte Koerzitivität. DOE nennt unter anderem Festplatten, CD/DVD, MRT, Sensorik und Kältetechnik als Beispiele.

Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 1,4 Gew.-% Dy. Moderne Werkstoffe können HREE-ärmer oder Dy-frei ausgelegt sein.

Dokumente prüfen

Grad, Hersteller und Charge helfen bei der Sortierung; ein Materialzeugnis ist aussagekräftiger als das Suffix allein.

HHigh ca. 16–17 kOeeinzelne Grade 16 kOe ca. 120 °Ceinzelne Katalogwerte höher

Höhere Koerzitivität für thermisch oder magnetisch anspruchsvollere Auslegungen. Beispiele: Mess-, Kupplungs-, Trenn- und allgemeine Motoranwendungen.

Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 2,8 Gew.-% Dy. Der tatsächliche HREE-Gehalt kann deutlich abweichen.

Analyse wichtig

Ein mögliches HREE-Signal erhöht den Prüfbedarf, beweist aber weder Dy/Tb noch einen bestimmten Schrottwert.

SHSuper High ca. 19–20 kOehochenergetische Grade teils 19 kOe ca. 150 °C

Typische Beispiele sind Industriemotoren, allgemeine Automotive-Anwendungen, E-Bikes und bestimmte Permanentmagnet-Windgeneratoren.

Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 4,2 Gew.-% Dy. GBD sowie moderne HREE-sparende oder HREE-freie SH-Werkstoffe zeigen: Das Suffix ist kein Gehaltsnachweis.

Chargenbezug nötig

Große, dokumentierte Anwendungen können interessant sein. Tonnage und Chemie müssen jedoch separat belegt werden.

UHUltra High ca. 24–25 kOeeinzelne Grade 24 kOe ca. 180 °C

Hochtemperaturklasse für anspruchsvolle Industriemotoren und -generatoren sowie weitere Spezialanwendungen. EV-Traktion ist nicht automatisch UH.

Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 6,5 Gew.-% Dy. Korngrenzendiffusion kann HREE gezielt einsetzen und ist nicht auf UH beschränkt.

Analyse besonders wichtig

Potenzielle HREE-Anteile sind interessant, dürfen aber nur durch Werkstoffnachweis oder repräsentative Analyse bewertet werden.

EHExtreme High ca. 30 kOe ca. 200 °C

Sehr hohe Koerzitivitätsklasse. DOE ordnet EH/AH unter anderem bestimmten EV-/Hybrid-Traktionsantrieben sowie heißen Motor- und Generatorauslegungen zu.

Historische DOE-Orientierung für EH/AH: etwa 8,5–11 Gew.-% Dy. Neuere HREE-sparende Verfahren können weit darunter liegen; Tb ist nicht zwingend enthalten.

Chemie nachweisen

Der potenzielle HREE-Anteil macht eine saubere Chargenanalytik wichtig. Das Suffix allein rechtfertigt keine Wertstufe.

AHHerstellerbezeichnung variiert ca. 34–35 kOeherstellerabhängig ca. 220 °C

Höchste übliche Koerzitivitätsfamilie für besonders anspruchsvolle Hochtemperatur-Motor- und Generatorauslegungen. Das konkrete Einsatzgebiet folgt dem Datenblatt.

Wie bei EH sind hohe HREE-Gehalte möglich, aber nicht garantiert. Weder ein massiver Co-Anteil noch eine konkrete Rezeptur ist aus AH ablesbar.

Seltenheit nicht ableitbar

Ohne belastbare Marktstatistik wird keine Häufigkeit behauptet. Für die Bewertung zählen Analyse, Masse, Form und Zustand.

Wichtig:

Die Klasse liefert einen Prüfhinweis, keinen festen Elementgehalt und keinen pauschalen Ankaufspreis. Nicht jede Kombination aus N-Zahl und Suffix wird von jedem Hersteller angeboten.

Arbeitspunkt statt Pauschalgrenze

Warum 150 °C nicht immer 150 °C bedeuten

Die Temperaturklasse ist eine Auswahlhilfe. Ob ein Magnet irreversibel Fluss verliert, entscheidet das konkrete Bauteil im Magnetkreis.

01Geometrie & Magnetisierungsrichtung
02Lastgerade Pc / Pci
03Temperaturkurve & Gegenfeld
Hinweis zur maximalen Arbeitstemperatur

Die genannten Temperaturen sind typische Klassenwerte, keine zugesicherte Einsatzgrenze. Irreversible Entmagnetisierung hängt unter anderem vom konkreten Werkstoff und seiner temperaturabhängigen Entmagnetisierungskurve, der Magnetisierungsrichtung, Geometrie, dem magnetischen Arbeitspunkt, dem Magnetkreis, möglichen Gegenfeldern und dem Temperaturverlauf ab. Dünne, in Dickenrichtung magnetisierte Magnete besitzen häufig einen ungünstigeren Arbeitspunkt und können bereits unterhalb des Tabellenwerts dauerhaft magnetischen Fluss verlieren. Maßgeblich sind das Datenblatt und die Auslegung des konkreten Bauteils.

Legierung & Recycling

Der Gradcode ist kein chemischer Fingerabdruck

Dy, Tb, Co und die eingesetzte Herstellungsroute lassen sich nicht sicher aus M, H, SH, UH, EH oder AH ablesen.

01

Dy und Tb

Schwere Seltene Erden können die Koerzitivität erhöhen. Historische Richtreihen zeigen einen Trend zu mehr Dy, moderne HREE-sparende oder -freie Werkstoffe durchbrechen diese Zuordnung.

02

Korngrenzendiffusion

GBD bringt Dy oder Tb gezielt in Randbereiche der Körner ein. Dadurch kann die Koerzitivität mit weniger HREE gesteigert werden; das Verfahren ist nicht exklusiv an eine Suffixklasse gebunden.

03

Recyclingbewertung

Werkstoffnachweis, Masse, Sortenreinheit, Beschichtung, Anhaftungen sowie die Trennung von gesinterten und kunststoffgebundenen Magneten sind entscheidender als ein Suffix.

Alle gesinterten NdFeB-Magnete sind wegen ihres Nd/Pr-Gehalts grundsätzlich recyclingrelevant. Hochkoerzitive Sorten können zusätzlich Dy oder Tb enthalten; der tatsächliche Gehalt lässt sich jedoch nicht zuverlässig aus dem Gradcode ableiten.

Kurz erklärt

Vier Begriffe für die richtige Einordnung

HcJ
Intrinsische Koerzitivitätsfeldstärke: Widerstand des Magnetwerkstoffs gegen irreversible Entmagnetisierung.
(BH)max
Maximales Energieprodukt. Die Zahl in N42 verweist näherungsweise auf die MGOe-Klasse, nicht auf den Neodymgehalt.
Pc / Pci
Normaler beziehungsweise intrinsischer Permeanzkoeffizient. Sie beschreiben die Lastgerade; deren Schnittpunkt mit der jeweiligen Entmagnetisierungskurve ist der Arbeitspunkt.
HREE
Heavy Rare Earth Elements: schwere Seltene Erden, hier vor allem Dysprosium (Dy) und Terbium (Tb).
Technische Hersteller- und Behördenquellen

Richtwerte, Chemie und Arbeitspunkt getrennt belegen

Ein Herstellerkatalog belegt Gradwerte. Eine Lieferkettenstudie ordnet konventionelle Zusammensetzungen ein. Der konkrete Magnet bleibt eine Datenblatt- und Auslegungsfrage.