Dy und Tb
Schwere Seltene Erden können die Koerzitivität erhöhen. Historische Richtreihen zeigen einen Trend zu mehr Dy, moderne HREE-sparende oder -freie Werkstoffe durchbrechen diese Zuordnung.
HcJ, typische Temperaturklassen, Anwendungen und Recyclinghinweise auf einer Seite – mit der klaren Grenze zwischen Gradcode, Herstellerdatenblatt und chemischer Analyse.
Die Zahlen sind typische Branchen- und Katalogorientierungen bei Raumtemperatur. Einzelne Grade weichen ab: Bei Arnold liegt N52 beispielsweise bei 11 kOe und 60 °C, AH bei 34 kOe und 220 °C. Ausgeschriebene Suffixnamen wie „Medium“ oder „Super High“ sind verbreitete Handelsauflösungen, aber herstellerübergreifend nicht normeinheitlich.
| Grad / Suffix | HcJ min. Richtwert | Typische Temperaturklasse | Bedeutung & typische Anwendungen | Legierung / Dy & Tb | Recycling-Relevanz |
|---|---|---|---|---|---|
| N35–N52ohne Suffix | ca. 11–12 kOegradabhängig | ca. 60–80 °CN52 teils 60 °C | Standard- und Niedrigtemperaturklassen. Typische Beispiele reichen von Spielzeug und Konsumgütern bis zu Audio- und Sensoranwendungen, sofern das konkrete Datenblatt passt. |
Konventionelle DOE-Richtreihe: weniger als 0,5 Gew.-% Dy. Das ist keine Chargenaussage; „ohne Suffix“ bedeutet nicht „reines Nd/Pr“. |
Grundsätzlich relevant Nd/Pr bleibt der zentrale Wertträger. Masse, Sortenreinheit, Beschichtung und Analyse bestimmen die weitere Einordnung. |
| MMedium | ca. 14 kOe | ca. 100 °C | Erhöhte Koerzitivität. DOE nennt unter anderem Festplatten, CD/DVD, MRT, Sensorik und Kältetechnik als Beispiele. |
Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 1,4 Gew.-% Dy. Moderne Werkstoffe können HREE-ärmer oder Dy-frei ausgelegt sein. |
Dokumente prüfen Grad, Hersteller und Charge helfen bei der Sortierung; ein Materialzeugnis ist aussagekräftiger als das Suffix allein. |
| HHigh | ca. 16–17 kOeeinzelne Grade 16 kOe | ca. 120 °Ceinzelne Katalogwerte höher | Höhere Koerzitivität für thermisch oder magnetisch anspruchsvollere Auslegungen. Beispiele: Mess-, Kupplungs-, Trenn- und allgemeine Motoranwendungen. |
Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 2,8 Gew.-% Dy. Der tatsächliche HREE-Gehalt kann deutlich abweichen. |
Analyse wichtig Ein mögliches HREE-Signal erhöht den Prüfbedarf, beweist aber weder Dy/Tb noch einen bestimmten Schrottwert. |
| SHSuper High | ca. 19–20 kOehochenergetische Grade teils 19 kOe | ca. 150 °C | Typische Beispiele sind Industriemotoren, allgemeine Automotive-Anwendungen, E-Bikes und bestimmte Permanentmagnet-Windgeneratoren. |
Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 4,2 Gew.-% Dy. GBD sowie moderne HREE-sparende oder HREE-freie SH-Werkstoffe zeigen: Das Suffix ist kein Gehaltsnachweis. |
Chargenbezug nötig Große, dokumentierte Anwendungen können interessant sein. Tonnage und Chemie müssen jedoch separat belegt werden. |
| UHUltra High | ca. 24–25 kOeeinzelne Grade 24 kOe | ca. 180 °C | Hochtemperaturklasse für anspruchsvolle Industriemotoren und -generatoren sowie weitere Spezialanwendungen. EV-Traktion ist nicht automatisch UH. |
Konventionelle DOE-Richtreihe: etwa 6,5 Gew.-% Dy. Korngrenzendiffusion kann HREE gezielt einsetzen und ist nicht auf UH beschränkt. |
Analyse besonders wichtig Potenzielle HREE-Anteile sind interessant, dürfen aber nur durch Werkstoffnachweis oder repräsentative Analyse bewertet werden. |
| EHExtreme High | ca. 30 kOe | ca. 200 °C | Sehr hohe Koerzitivitätsklasse. DOE ordnet EH/AH unter anderem bestimmten EV-/Hybrid-Traktionsantrieben sowie heißen Motor- und Generatorauslegungen zu. |
Historische DOE-Orientierung für EH/AH: etwa 8,5–11 Gew.-% Dy. Neuere HREE-sparende Verfahren können weit darunter liegen; Tb ist nicht zwingend enthalten. |
Chemie nachweisen Der potenzielle HREE-Anteil macht eine saubere Chargenanalytik wichtig. Das Suffix allein rechtfertigt keine Wertstufe. |
| AHHerstellerbezeichnung variiert | ca. 34–35 kOeherstellerabhängig | ca. 220 °C | Höchste übliche Koerzitivitätsfamilie für besonders anspruchsvolle Hochtemperatur-Motor- und Generatorauslegungen. Das konkrete Einsatzgebiet folgt dem Datenblatt. |
Wie bei EH sind hohe HREE-Gehalte möglich, aber nicht garantiert. Weder ein massiver Co-Anteil noch eine konkrete Rezeptur ist aus AH ablesbar. |
Seltenheit nicht ableitbar Ohne belastbare Marktstatistik wird keine Häufigkeit behauptet. Für die Bewertung zählen Analyse, Masse, Form und Zustand. |
Die Klasse liefert einen Prüfhinweis, keinen festen Elementgehalt und keinen pauschalen Ankaufspreis. Nicht jede Kombination aus N-Zahl und Suffix wird von jedem Hersteller angeboten.
Die Temperaturklasse ist eine Auswahlhilfe. Ob ein Magnet irreversibel Fluss verliert, entscheidet das konkrete Bauteil im Magnetkreis.
Die genannten Temperaturen sind typische Klassenwerte, keine zugesicherte Einsatzgrenze. Irreversible Entmagnetisierung hängt unter anderem vom konkreten Werkstoff und seiner temperaturabhängigen Entmagnetisierungskurve, der Magnetisierungsrichtung, Geometrie, dem magnetischen Arbeitspunkt, dem Magnetkreis, möglichen Gegenfeldern und dem Temperaturverlauf ab. Dünne, in Dickenrichtung magnetisierte Magnete besitzen häufig einen ungünstigeren Arbeitspunkt und können bereits unterhalb des Tabellenwerts dauerhaft magnetischen Fluss verlieren. Maßgeblich sind das Datenblatt und die Auslegung des konkreten Bauteils.
Dy, Tb, Co und die eingesetzte Herstellungsroute lassen sich nicht sicher aus M, H, SH, UH, EH oder AH ablesen.
Schwere Seltene Erden können die Koerzitivität erhöhen. Historische Richtreihen zeigen einen Trend zu mehr Dy, moderne HREE-sparende oder -freie Werkstoffe durchbrechen diese Zuordnung.
GBD bringt Dy oder Tb gezielt in Randbereiche der Körner ein. Dadurch kann die Koerzitivität mit weniger HREE gesteigert werden; das Verfahren ist nicht exklusiv an eine Suffixklasse gebunden.
Werkstoffnachweis, Masse, Sortenreinheit, Beschichtung, Anhaftungen sowie die Trennung von gesinterten und kunststoffgebundenen Magneten sind entscheidender als ein Suffix.
Alle gesinterten NdFeB-Magnete sind wegen ihres Nd/Pr-Gehalts grundsätzlich recyclingrelevant. Hochkoerzitive Sorten können zusätzlich Dy oder Tb enthalten; der tatsächliche Gehalt lässt sich jedoch nicht zuverlässig aus dem Gradcode ableiten.
Ein Herstellerkatalog belegt Gradwerte. Eine Lieferkettenstudie ordnet konventionelle Zusammensetzungen ein. Der konkrete Magnet bleibt eine Datenblatt- und Auslegungsfrage.